Geschichte
Industrialisierung führte zu Wohnungsnot
Während der einsetzenden Industrialisierung mussten viele Menschen ihre Heimat und ihre Familien verlassen, um in der Fremde ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Die Fremde war für einige von ihnen das Weingärtnerdorf Untertürkheim. Nachdem die Produktionsstätten der Daimler Motorengesellschaft in Cannstatt abgebrannt waren, wurde das Werk in Untertürkheim neu aufgebaut. Das rasch wachsende Industrieunternehmen zog eine Vielzahl von Arbeitern aus dem ganzen Land an diesen Standort. Zum Leidwesen der Werktätigen reichte das vorhandene Wohnungsangebot in der näheren Umgebung nicht aus, so dass man in überfüllten Eisenbahnzügen oder gar mit dem Fahrrad oder zu Fuß die weiten Strecken zur Arbeitsstätte überbrücken musste. „Rucksack-Indianer“ nannte der Volksmund damals die zu bedauernden Pendler. Die Nachfrage nach Wohnraum stieg ständig weiter an. Selbst kleinste Kammern und Zimmer wurden immer teurer vermietet.
Während der einsetzenden Industrialisierung mussten viele Menschen ihre Heimat und ihre Familien verlassen, um in der Fremde ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Die Fremde war für einige von ihnen das Weingärtnerdorf Untertürkheim. Nachdem die Produktionsstätten der Daimler Motorengesellschaft in Cannstatt abgebrannt waren, wurde das Werk in Untertürkheim neu aufgebaut. Das rasch wachsende Industrieunternehmen zog eine Vielzahl von Arbeitern aus dem ganzen Land an diesen Standort. Zum Leidwesen der Werktätigen reichte das vorhandene Wohnungsangebot in der näheren Umgebung nicht aus, so dass man in überfüllten Eisenbahnzügen oder gar mit dem Fahrrad oder zu Fuß die weiten Strecken zur Arbeitsstätte überbrücken musste. „Rucksack-Indianer“ nannte der Volksmund damals die zu bedauernden Pendler. Die Nachfrage nach Wohnraum stieg ständig weiter an. Selbst kleinste Kammern und Zimmer wurden immer teurer vermietet.
Einige Arbeiter der Daimler Motorenwerke und der Firma Robert Bosch fanden sich in Diskussionsgruppen über die Wohnungsnot zusammen und beschlossen, selbst etwas zu unternehmen, um die unerträglich gewordene Situation zu verbessern. Am 12. Dezember 1911 wurde schließlich die Satzung der „Gartenstadt Eigenes Heim“ von den 19 Gründungsmitgliedern verabschiedet. Die Aufgaben der neu gegründeten Genossenschaft wurden wie folgt formuliert:
- Ihren Mitgliedern durch den Bau von Einfamilienhäusern mit zugehörigen Obst- und Gemüsegärten gesunde und billige Wohnungen, unter Ausschluss jedweder Spekulation und mit dem Ziel der allmählichen Verminderung der auf dem Anwesen ruhenden Schuldenlast, zu erstellen.
- Durch gemeinnützige Einrichtungen das geistige und körperliche Wohl ihrer Mitglieder zu fördern.
- Den gewinnlosen Ein- und Verkauf von Gebrauchsgegenständen und Waren für den Haushalt und Garten.
Die ersten Ziele der Gründer der Genossenschaft waren es, durch Aufklärung und werbende Flugblätter weitere Mitglieder zu gewinnen und geeignete Grundstücke zu finden. Beides erwies sich als äußerst schwierig. Denn wer würde sein mühsam Erspartes gerne in eine ungewisse Zukunft stecken und wo sollten die Grundstücke für die angepriesenen billigen Wohnungen herkommen. Probleme der Grundstücksbeschaffung ergaben sich in Münster und Heumaden durch die formulierten Kaufwünsche und die daraus resultierenden Preisanstiege. In Heumaden kam noch der Widerstand der dort lebenden Bevölkerung dazu, befürchtete man doch „alles mögliche und unmögliche Lumpenpack in die Gemeinde zu bekommen“.
Schließlich gelang es doch mit Hilfe des Untertürkheimer Architekten Wilhelm Wacker die Gewanne Flohberg und Nägelesäcker in der Gemeinde Untertürkheim zu erwerben. Doch trotz aller Bemühungen konnte erst 1913 mit dem Bau der ersten 88 Einfamilienhäuser begonnen werden. 9.690 Mark kostete ein Haus, einschließlich Bauplatz. Durch die Verzögerungen der Bebauung mussten einige Siedler halbfertige Häuser übernehmen. Auch diese Notzeiten konnten gemeinsam überwunden werden und schweißten die Genossen noch enger zusammen.
Der Ausbruch des ersten Weltkriegs bremste zunächst die Entwicklung der Genossenschaft. Trotzdem wohnten bereits im Jahre 1916 rund 500 Menschen in 110 Häusern der Siedlung. Bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs entstanden in der Gartenstadt Luginsland insgesamt 466 Siedlungshäuser mit 574 Wohnungen sowie 6 Mietwohngebäude mit 49 Wohnungen und 14 gewerblichen Räumen. Luftangriffe in den Jahren 1943, 1944 und 1945 beschädigten dreiviertel aller Gebäude, 15 Häuser wurden völlig zerstört.
Nach 12 Jahren nationalsozialistischer Herrschaft ließen demokratisch Gesinnte den alten Genossenschaftsgeist wieder aufleben. Es wurde damit begonnen, den Bauschutt zu entfernen und die zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Die nach dem Krieg bestehende große Wohnungsnot verstärkte sich zusätzlich durch den Zuzug von Heimatvertriebenen. Die Bautätigkeit der Genossenschaft wurde deshalb auf andere Stadtbezirke wie z.B. Untertürkheim, Plieningen, Rohracker, Heumaden und Fasanenhof ausgeweitet.
Heute besitzt die Baugenossenschaft 1308 Mietwohnungen, 22 Gewerbeeinheiten, 496 Garagen und 131 Stellplätze und wird von einer Zahl von über 1840 Mitgliedern getragen.

